Manaslu (Rupina La) - Trekking - Oktober 2004
29. 9. - 14:20 bis 23:00 mit der Deutschen Bahn von Chemnitz über Nürnberg mit 2h Verspätung nach Karlsruhe zu Holger und Eli. Gemeinsames Abendessen.
30. 9. - 7:00 mit der Bahn in 1h von Karlsruhe nach Frankfurt-Flughafen. Am Terminal 2 einchecken nach Kathmandu, Holger hatte für alle für Hin- und Rückflüge Fensterplätze auf der rechten Fliegerseite reserviert. 9:00 treffen wir Peter.
11:30 Hinflug Frankfurt-Bahrain (6h). 20:15 Flug Bahrain-Abu Dhabi (1:10h). Hier 4 Stunden Wartezeit. 02:25 Flug Abu Dhabi-Kathmandu (4:30h)
1.10 - Ankunft 8:30 in Kathmandu (1300m) (+3:45h Zeitverschiebung). Hier dürfen wir unser Visum (30$), sowie die Zählkarte abgeben. Vorm Flughafengebäude Begrüßung durch Niru und Transfer ins Hotel Harati. Dort begrüßen wir unsere Neuen : Peter II (59) aus der Nähe von Freiburg und die beiden „schwerreichen“ und etwas verwöhnten Österreicher Roland (48) und Gerald (59) aus der Nähe von Graz. Im Hotel begrüßen uns Phadindra, Ganesh, sowie unser Bombale. Wir übergeben Niru unsere Pässe, 4 Paßbilder, die Flugtickets sowie unser Reisegeld von 1350 $ pro Person. Gehe gleich 15 Ansichtskarten kaufen und mit Peter setze ich mich erst mal zum Karten schreiben in ein Restaurant.
Abends das obligatorische Begrüßungsessen mit Niru im Third Eye Restaurant,es gibt neben Everest-Bier ohne Ende ein reichliches gut gewürztes nepalesisches Mahl mit vielen Gängen und Leckereien bis zum Umfallen.
2.10. - 8:30 Fahrt von Kathmandu im gemieteten Reisebus mit unseren Guides, unseren Trägern und der Küchencrew nach Gorkha (1120m) in 5h (ca.150 km), unterwegs Lunch in einem schönen Gartenrestaurant, entlang schöner grüner Schluchten des Trisuli und des Marsyangdi Flusses. Am Ende der Fahrt bekommen alle Träger ihre Lasten zugewiesen, einige Träger werden noch angeheuert und los geht´s. Aufstieg zum alten Königstempel der ehemaligen Hauptstadt Nepals und Besichtigung der berühmten Palastanlage der Gorkhas (1440 m), jetzt ein militärischer Tempel, fotografieren verboten. Unser Weg führt abwärts nach Kalikasthan zum Camp gleich unterhalb des Tempels, (1380m) auf einer schönen Zeltwiese.
Es werden nagelneue leuchtend gelbe, geodätische Zelte ähnlich dem Sherpa Dome aufgebaut, zu meinem Erstaunen 6 Stück, es stellt sich heraus, daß Peter II, Gerald & Roland Einzelzelte bei Niru bestellt haben. Auch das Gepäck der beiden Österreicher dürfte viel zu reichlich bemessen sein, zu den großen Trekkingsäcken kommen noch zwei beachtliche Reisetaschen dazu. Es ergibt sich, daß unsere Träger jeweils von drei Touris die Lasten schleppen müssen, auf der Rupinala-Strecke eine meiner Meinung nach zu schwere Last für einen Porter. Dies wird sich nach den ersten Tagen leider bestätigen. Am Anfang sind es 22 Porter. Unsere Küche tritt das erste mal in Aktion, der Koch Dorje hat seine Leute gut im Griff und wird sich außer als wunderbarer Küchenmeister auch als ein guter Streckenkenner und Zeltplatzauskundschafter hervortun, einer unserer wichtigsten Leute.
16:30 ist Teatime: Es gibt schwarzen Tee, sowie Milch mit wahlweise Kakao, Kaffe oder Ovomaltine, dazu werden Kekse gereicht. Zum Abendessen gibt’s Popcorn, Tomatensuppe, gedünstetes Gemüse, dick angemachtes Gemüse, Reis und Linsen, den Dhal Bhat Nepals und knusprig gebratene Hähnchenstücke. Uns läuft das Wasser im Mund zusammen. Als Dessert gibt’s Bananen, Tee und Milch. Wir sitzen in unserem Speisezelt und noch ist es sehr warm abends. Als Beleuchtung dient eine große helle Gaslampe mit oft gewechseltem Glühstrumpf, die es in großer Höhe auch recht warm im Zelt werden läßt. Wir haben herrliche Sicht auf den Manaslu (8163m) und den Himal Chuli (7893m). Nachts darf das Camp nicht verlassen werden, oder Licht und Lärm gemacht werden, es herrscht Ausnahmezustand, die Soldaten rufen sich nachts laufend Parolen zu, um sich die Angst vor den aufständigen Maoisten fernzuhalten.
+ 215 / - 60m in 2h (immer mit Pausen gerechnet, Lunch meist 2h)
3.10. – Der Regen die ganze Nacht verabschiedet sich morgens zum Frühstück mit einem Regenbogen. Vom Kalikasthan Camp (1380 m) wandern wir im dicken Nebel los entlang eines schönen grünen Bergpfades. Die Straße führt auf der anderen Seite des Berges entlang. Ich trage meine neuen Teva Terra-Fi Sandalen, damit läßt es sich prima laufen, der rutschige Weg ist besser zu gehen als mit den steifen Bergschuhen der anderen. Mittagsrast in Ahale (1040m), unterwegs müssen wir das erste mal unsere drei Permits den Soldaten des Königs vorzeigen. Nachmittags treffen wir in Khanchok (1040 m) ein, unsere Zelte werden auf den Terrassen eines Campingplatzes errichtet, umgeben von der gesamten Dorfjugend und einigen älteren Semestern.
Zur Begrüßung steht schon ein Eimer mit Bier, Cola und Blumen bereit, aus dem wir uns auch gern bedienen, was letztendlich endet in einem endlos währenden Gefeilsche um die Bezahlung, aber wir lassen uns nicht vom pfiffigen Sohn des Kneipenchefs übers Ohr hauen, vor allem Holger bleibt eisern beim Feilschen (1 Bier – 170 Rupies). Abends waschen am Brunnen unter den Augen der Kinderschar war ein Gaudi für sich. Khanchok liegt auf einem Bergrücken und ist der Zugang in den Norden dieser Region.
Zum Abendessen gibt´s Spaghetti, selbstgemachte Tomatensoße, Papadam = dünner, scharf gewürzter, ausgebratener Teig, schwimmend gebackener Blumenkohl, geriebe- ner Schnittkäse, danach Bananen-Pie (Kuchen) und Tee mit Khukri-Rum.
Nachts ist es sehr warm und sternenklar mit fernem Wetterleuchten, der Gesang vieler Grillen und anderer lauter Insekten wiegt uns in den Schlaf.
Die Küchencrew übernachtet im Eßzelt.
+ 280 / - 550m in 7h
4.10. – Früh als erstes fällt der Blick auf die Annapurna II (7939m) mit Lamjung Range (6932m), den Manaslu und den Himal Chuli (7893m), ganz rechts der Ganesh Himal II (7163m). Das Wetter früh ist klar, später Nebel, abends leichter Regen. Der Weg geht leicht bergauf und bergab durch viele kleine und große Orte, zB. Ghyampesal oder Pandrung hoch über viele kleine Vulkanhügel entlang schmaler Pfade bis runter nach Kharchok (1450m), einer armen Ansiedlung mit kleinem Markt. Hier herrschen die Maoisten und wir sollen morgen früh Durchgangszoll bezahlen. Mich packt die Wut beim Anblick dieser arroganten Gestalten, denen man ihre Gesinnung schon von weitem ansieht. Die Zelte werden weit oberhalb des Ortes auf einem schmalen Acker errichtet. Da wir mehrere Herren mit Einzelzeltwunsch haben, sind die Plätze für unser Lager durch die Größe beschränkt, und wir müssen immer neue Plätze begutachten.
Die Träger kommen durch ihre schweren Lasten erst weit nach Dunkelheit an und wir helfen beim Zeltaufbau mit unseren Stirnlampen. 20:00 sind wir fertig. Dunkel wird es punkt 18:00. Zum Abendessen gibt es Momos, das sind gefüllte Teigtaschen, Farfalle, das sind geflügelte Spaghettis, Kürbisgemüse, Bratkartoffeln, Suppe und dünne Shrimps-Chips. 22:30 ist der Tag heut für uns zu Ende.
Vorher melden sich noch der Lehrer und der Bürgermeister des Ortes bei uns und bieten ihre Hilfe an, falls uns die Maoisten belästigen sollten. Wir erfahren, daß sich vergangene Nacht zwei angeworbene Träger aus Gorkha mit ihrem Vorschuß aus dem Staub gemacht haben, das bedeutet, daß die Lasten der beiden aufgeteilt werden müssen auf die anderen Träger.
+ 1150 / - 460m in 9h
5.10. – Punkt 8:00 erscheint das Mao-Pärchen und legt uns ihre Frohe Botschaft auf den Frühstückstisch, auf das uns die Bissen im Hals stecken bleiben sollen... Pro Tourist zahlen wir für 16 Tage eine ´freiwillige´ Donation von je 1.600 Rupies, insgesamt 12.800 Rupies, das sind 142 €. Später werden wir erfahren, daß Touristen im oberen Dolpo 300 € pro Person an die Maoisten zahlen mussten. Ich glaube nicht, daß diese damit ihren armen Landsleuten für die Zukunft etwas Gutes tun, wenn sich diese Wegelagereien rumsprechen, werden immer weniger zahlende Trekker nach Nepal kommen, die Auswirkungen für die Bevölkerung kann man sich leicht vorstellen...
Vom Camp oberhalb Kharchoks geht es weiter auf Serpentinen entlang grüner Felder mit Reis, Hirse u. ä. durch viele alte und ärmliche Dörfer, Simbu, Ranchok mit Dorfplatz, vorbei an vielen Frauen und Kindern, sowie vielen Schulkindern bis kurz vor Pokhari (1470m). An diesem Tag ziehe ich mir die festen Wanderschuhe an wegen den vielen Litschis, die uns seit gestern zu schaffen machen. Auf dem Schulplatz werden unsere Zelte im Regen aufgebaut, das Essen wird wegen Regen in einem Klassenzimmer eingenommen. Nach langwieriger Vorbereitung findet spätabends vor unseren Zelten ein Fest der einheimischen Jugend unter Leitung der Lehrer mit Gesang und Tanz der Frauen und Mädchen statt, die sich dann die Langnasen zum Tanz hinzuholen. Auch unsere Guides und Träger feiern mit uns. Das gesamte Dorf ist auf den Beinen und schaut zu. Eine kleine Spende von 1.000 Rupies ist unsere Anerkennung. Dieser Abend endet erst 24:00 für uns, eine kurze Nacht.
+ 435 / - 645m in 6h
6.10. – 6:00 dann pünktlich der zeitige Wake-up-Tee. Das Wetter ist wolkenlos, wir genießen die Sicht auf den Boudha Himal (6672m) mit unserem Rupina La. Abstieg über das schiefergedeckte Pokhari ins Rangrung-Tal hinunter auf 1100m, über den Fluß und auf der anderen Seite in steilen Kehren hoch durch das Dorf Snan hinauf zur modernen Stadt Barpak (1940m) mit ca. 450 Häusern und ca. 4500 Bewohnern und einer alten Seilbahn, zur Zeit nicht benutzbar. Auf dem großen Platz inmitten einiger Schulen breiten wir unsere blaue Plane aus und nehmen unser Mittagsmahl inmitten Hunderter Kinder ein. Manche müssen einzeln vom Lehrer in ihre Klassenzimmer zum Unterricht gerufen werden. In den Pausen haben wir Gelegenheit mit einigen zu sprechen, viele verstehen und lernen Englisch. Vor allem Gerald hat große Mühe, all der Kinder Herr zu werden. Ich verbinde meine von den Litschis, einer ganz gemeinen Blutegelart Nepals, geplagten und angeknabberten Füße, am Ende der Regenperiode werde ich 86 Bisse zählen. Inzwischen wollen uns Barpaks Maoisten erneut abkas- sieren, wir zeigen ihnen unser Tax Bill von Kharchok und sagen ihnen, daß nun Schluß mit Zahlen ist, irgendwie scheinen sie zu begreifen ...
16:00 geht es erst weiter, weil die Träger auf den glatten, steilen Wegen nicht gut vorankommen, vorbei an riesigen Hirsefeldern, soweit das Auge reicht. 17:00 beginnt ein ungemütlich werdender Regen. Unter einem Wasserfall hindurch geht es bis auf 2020m Höhe nach Bhuwa Kharka, zu einem schlammigen Weideplatz, der nur so von Litschis wimmelt. Als bekannt wird, wir werden hier nächtigen, sinkt allen das Herz in die durchweichten Schuhe. Es regnet weiter ununterbrochen, es ist stockdunkel, die Träger noch sonstwieweit hinten. Wir sitzen oder stehen, jeder mit Stirnlampe schwer beschäftigt, seine Schuhe und Füße unter Kontrolle zu halten und der Millionen Litschis Herr zu werden, was aber meist nicht gelingt. Peter sein Leatherman und sein Feuerzeug sind eine kleine Hilfe in der großen Not. Die Küchenleute und unsere Führer, sowie die Träger haben keine Zeit, sich um Litschis zu kümmern, sie müssen sehen, daß die Zelte aufgebaut, Wasser geholt und unser Essen gekocht und die Trek-Säcke in die Zelte geräumt werden. Beim Einräumen läßt sich´s nicht vermeiden, einige Litschis mit ins Zelt holen. Wir beschließen, diesen Abend das Dinner in den Schlafzelten einzunehmen. Wie können unsere nepalesischen Freunde inmitten von Milliarden blutrünstiger Sauger schlafen...? Am Morgen erfahren wir, sie sind alle in Zelten untergekommen, ein kleiner Trost, trotzdem entzünden sich später bei Einigen die vielen Bisse. Zwei Küchenhelfer haben schwere Verbrühungen an Armen und Beinen erlitten. In kurzer Zeit ist unser Verbandmaterial restlos aufgebraucht, zum Glück verstehen Mietzi und Peter II was vom Verarzten, ein Küchenhelfer wird trotzdem später zurückgeschickt, er hat schwere eitrige Verbrühungen am Arm und Fieber.
Rückblickend stellen wir fest, daß es bisher jeden Tag mehr oder weniger geregnet hat und dies für den Oktober hier ungewöhnlich ist. Später sagen uns alte Leute aus Sama, daß es erst zwei mal in ihrem Leben in dieser Zeit soviel Regen und weiter oben viel Schnee gegeben hätte. Gebietsweise werden die unreifen Getreidefelder vom hohen Schnee plattgedrückt und damit nicht verwendbar für die Bauern.
Abends und nachts Starkregen, an einer Stelle tröpfelt es ins Zelt.
+ 1130 / - 575m in 9h
7.10. – 6:00 Wecken, Frühstück im Eßzelt, Nebel, der sich den ganzen Tag nicht lichtet, aber kein Regen zum Glück. Es geht durch dichten Dschungel, Nebel- und Regenwald ständig auf und ab durch glitschigen, regennassen Morast, über moosige Steine, vorbei an Urwaldriesen, zB. Hemlocktannen, bewachsen mit kleinen Farnen, behangen von dicken Lianen. Die Grillen machen einen ohrenbetäubenden schrillen Lärm. Wir müssen ständig genau aufpassen und uns konzentrieren, um nicht zu stürzen. Über die reißenden Flüsse führen teilweise abenteuerliche Brücken aus Holz, teilweise mit Steinen belegt und alle sehr rutschig.
11:00 Lunch auf 2200m, danach endlich bergauf bis zu einem grasigen Berghang, diesen steil aufwärts bis auf 2920m und links wieder abwärts bis auf 2825m zu einer schönen Yakalm Tiliche Kharka mit kleinem Holzhäuschen, das gleich als Küche und als Unterstand bei Regen, der jetzt wieder einsetzt, genutzt wird. Einige Holzteile der Hütte wandern stillschweigend in das Lagerfeuer, das angezündet wurde, um alle zu wärmen und um den Trägern den Weg zu weisen. Diese kommen mit ihren viel zu schweren Lasten erst spät in der Dunkelheit an, total fertig, bis auf die Knochen ausgepowert, einige fallen um wie tot, einer zittert wie Espenlaub. Wir helfen beim Zeltaufbau im Dunkeln. Es ist 20:00. Es regnet ununterbrochen. Jeder versucht, sich irgendwie nützlich zu machen, irgendwie kann ich mein schlechtes Gewissen den Trägern gegenüber nicht unterdrücken... Die armen Kerle tun mir einfach leid.
Waschen im kleinen Bach... als ich meine Socken auswringe, färbt eine rote Spur der zerquetschten Litschis das Wasser. Nach dem Abendbrot in der Almhütte gehe ich nochmal ins Toilettenzelt, während der Papierbenutzung geht ein tagheller gleißender Blitz mit fast gleichzeitigem gewaltig lauten Donner direkt neben dem Zelt nieder, ich denke nur an die langen Alu-Stäbe des Klozeltes und war noch nie in meinem Leben so schnell aus einem Zelt geflüchtet... Nachts ist es ca. 5°C und Dauerregen.
+ 1305 / - 545m in 10h
8.10. – Früh wieder mal wolkenlos, wir sind dem Rupina La Paß nahe zum Greifen. Es ist sehr kalt und unsere Träger erscheinen nach dem gestrigen anstrengenden Tag erst 8:00, so daß wir erst 8:30 losmarschieren. Es geht leicht bergauf, bergab durch feuchten Urwald, später wieder mit riesigen Tannen bestanden, weiter über eine Schafalm mit vielen Tieren, zwei kläffenden schönen Hunden und drei Hirten. Ab 3350m verschwinden langsam die Bäume und es geht bergauf, an einem Kreuzweg geradeaus, links hoch der Weg hätte zum See Narte Pokhari und weiter zum Paß geführt, wir aber gehen geradeaus weiter bis in einen Talschluß. Auf dem Weg hatte es eine Brücke weggerissen und wir müssen durchs eisige Bachwasser, bzw. über einen 10 cm schmalen, 10 m langen glitschigen Holzbalken ans andere Ufer balancieren. Mir sterben fast die Beine ab, auch mit den Balancierern ging alles gut, unsere Führer Pasang und Phadindra waren ins Wasser gestiegen, um den Balken zu befestigen und um uns zu sichern.
Das Rupina La Base Camp (3710m) wird inmitten von riesigem Felsgeblöck, umtost von Gebirgsbächen, aufgeschlagen. Es ist kaum als Camp auszumachen, Pasang hat ein gutes Gespür gehabt. Normalerweise wollen wir an diesem Tag noch hoch zum High Camp, dieses ist aber vor Anbruch der Dunkelheit nicht mehr erreichbar.
Kurz vor dem Camp sehen wir einen Schneeleoparden durch die Felsen am Ufer des Flusses huschen, eine Seltenheit.
18:00 schnell geholfen beim Zeltaufbau und schon gibt´s heiße Milch und Tee, kurz darauf können wir unsere gemütlichen 2-3 Mann-Zelte beziehen. Vorher nochmal Litschi-Kontrolle, die Biester begleiten uns bis hier auf 3710m Höhe.
Auch heute wieder Regen ab dem Lunch, bis er 19:00 in leichten Schneeregen übergeht.
Kurz vor Erreichen des Rupina La Base Camp ertappe ich mich bei leichten Kopfschmerzen und leichter Übelkeit, diese verfliegen in der Ruhephase.
Beim Abendessen ist wieder alles ok. Durch das viele Trinken muß ich nachts immer zweimal pinkeln. Es gibt jetzt die berühmte Knoblauchsuppe in allen Varianten und zu allen Mahlzeiten, sie ist ein Geheimrezept gegen Höhenkrankheit.
+ 1155 / - 260m in 9h
9.10. – Heute ein sehr kurzer Wandertag, da wir es gestern nicht mehr hoch schafften, 45 Minuten Aufstieg zum Rupina La High Camp (3900m). Die Zelte werden noch warm vom Schlafen wieder aufgebaut und es beginnt für alle ein lang ersehnter Ruhe- und Akklimatisationstag, nach den naßschmuddeligen kalten Tagen eine Wohltat für alle. Allerdings ist dafür unser zweiter Reservetag draufgegangen, der erste wurde durch ein Versehen Nirus benötigt, er hatte den Tag zwischen Khanchok und Kharchok schlicht ´vergessen´.
Früh wolkenlos, aber 11:00 ist alles wieder dicht, wenigstens fällt kein Regen.
Unsere Porter können sich endlich von den Strapazen erholen.
Das High Camp ist terrassenförmig und liegt sehr schön, bloß zur Zeit keine Aussicht, da der Nebel sich bis zum Abend hält.
18:00 Abendessen, 19:00 Schlafengehen, weil morgen die Paßüberquerung ist. Wunderbar ausgeruht.
+ 215 / - 5m in 1h
10.10. - 4:00 wecken, die Zelte sind außen und innen steif gefroren und werden so
eingepackt, beim Auspacken nach 7 Stunden sind sie immer noch vereist.
Für heute bekommen wir Lunchpakete von der Küche, durch die Anstrengung haben wir aber keinen großen Appetit und so bleiben Chapati und Co meist unangerührt oder werden den Portern geschenkt.
5:30 Aufstieg zum Rupina La Paß (4550m), steiler, stetiger, anstrengender, aber schöner Aufstieg zum Paß, den wir nach 3h erreichen. Oben sehr gute Sicht auf die Berggipfel der anderen Seite: v. li. Boudha Himal (6672m), Himal Chuli (7893m) mit West Peak (li. davon, 7540m) und Rani Peak (6693m), im Norden der Kutang Himal (6238m).
Alle fallen sich um den Hals und drücken sich, eine Foto-Orgie wird abgehalten.
Danach Abstieg über feste Schneefelder zwischen großen Felsblöcken, weiter unten durchsetzt mit niedrigen Wacholderbüschen. Wir erreichen ein herrliches, märchenhaft schönes Tal, das Chhulung-Tal, durchflossen von einem Gletscherbach, umgeben von Sechstausendern, links der Rupina-Gletscher mit seinen beiden Moränen. Das Tal wie eins in Schottland. Weit unten wird in 3740m unser Lager errichtet, Bhery Kharka/Gletscher Camp. Alle sind froh und stolz, diese erste Bewährungsprobe gemeistert zu haben. Roland hatte große Probleme mit der Höhe, ist sehr langsam gegangen, hat aber alles gepackt. Vor dem Dinner sind noch 3h Ruhe angesagt. Gegen Abend zieht es sich wieder zu. Nachts Regen.
+ 760 / - 915m in 9h
11.10. – ein schöner Montag, aber leider verhüllen sich die Berge im Chhulung-Tal in den Wolken, nur ganz rechts spitzt der Doppelgipfel des Shringi Himal (7187m) hervor. Von 3740m geht´s allmählich bergab auf die linke Flußseite und weiter zwischen Gletscher und Fluß auf schmalem Pfad in östliche Richtung. Lunch inmitten eines bemoosten Urwaldes auf 3200m. Das Tal ist traumhaft schön, ein breiter steiniger Gletscherbach wird gesäumt von moosbehangenen Birken und hohem Gras, wir queren des öfteren kleinere Flüßchen und später ein Hochmoor. Alle sind happy, Gerald träumt von einem Lunchpaket mit Schnitten für unterwegs, er kann sich nicht an die 1,5 bis 2h Mittagspause gewöhnen. Diese Zeit wird benötigt, daß die Träger wieder Zeit aufholen können, da sie sich ihr Dhal-Bhat selbst kochen müssen und auch längere Pausenzeiten zur körperlichen Erholung brauchen.
Nach dem Lunch geht es 100m steil im Wald hoch hinauf auf die Gletschermoräne und auf den Chhulung-Gletscher. Dieser ist hier ca. 1km breit und ziemlich verzweigt, es kostet einige Mühe, einen Weg für alle zu finden über das Geröll und Eis. Nach dem Abstieg auf der anderen Seite wird auf einer saftigen grünen Schafweide zwischen dicken Bäumen und hohem Gras unser Camp aufgestellt, kurz vor Guwap Kharka (3270m). Das Duschzelt wird errichtet und erstmals bekommt der Possible wieder Wasser zu Gesicht, eine lang entbehrte Freude für alle. Den drei in ärmliche Fetzen gehüllten Schafhirten fallen bald die Augen raus, als wir vom Gletscher herabsteigen, auch die Schafe schauen ganz belämmert... Touristen sind hier eine Seltenheit.
Später sitzen wir im Speisezelt, es ist schön warm drin, dank der Gasleuchte.
Wir spüren, daß es auch nachts erstmals wieder warm ist.
Der ganze Tag war wolkenverhangen, es fällt aber kein Regen.
+ 195 / - 655m in 6h
12.10. - Wieder alles in Wolken, leider keine Sicht. Im Urwald geht´s stetig hoch und runter. Bis zum Lunchplatz auf einer Weide zwischen riesigen Hemlocktannen auf 3145m sind es 700 Höhenmeter auf und ab. Totaler Nebel verwehrt jede Sicht, ab 13:00 fängt der Regen an, wir bekommen eine Plane über ein Hirten-Bambusgerüst gespannt. Der Marsch zu unserem heutigen Camp wird zum Wasserhorrortrip. Der kräftige Regen geht über in nasse schwere Schneeflocken, so groß wie Bäckermützen. Die Wege sind schlammig bis ultramatschig und glitschig, am Anfang in einer Höhe verlaufend, später ca. 700m auf einer Bergwiese inmitten von Schafen steil nach unten führend zur Dujima Kharka (2675m) und uns das Letzte an Kraft und Balance abfordernd. Die Klamotten sind bei den meisten fast durch, fast alle Ausrüstung naß, die Stimmung ist am Tiefpunkt angelangt. Sogar unsere Guides waren verzweifelt: die Regenwahrscheinlichkeit lag bei 250 %. Wie durch ein Wunder hörte abends kurz vor Aufkommen der vollständigen Depression der Regen auf, irgend ein Gott dieser heiligen Berge hatte ein Einsehen mit uns. Die Nacht war sternenklar.
+ 675 / - 1245m in 9h
13.10. – Endlich absolut wolkenlos, die umliegenden Berge strahlen um die Wette, das viele Regenwasser scheint vom Boden verschluckt, nicht das kleinste Kondenswölkchen steigt in den klaren Himmel. Wir verabschieden fünf unserer Träger, die nun nicht mehr gebraucht werden und nach Arughat Bazar zum Bus nach Kathmandu zurücklaufen. Sie bekommen ihren Lohn und auch von uns ein Trinkgeld. Auf grünen Wiesenhängen geht der Weg in einer Höhe (2670m) verlaufend bis vor zum Budhi Gandaki Tal, dem Haupttal der eigentlichen Manaslu-Runde. Ein letzter Blick zurück auf Himal Chuli, Rani Peak (6693m) und Boudha Himal.
Im neuen Tal werden wir begrüßt von links Lapuchin (5960m) und dem Dwijen Himal (5521m), über dem Siyar Khola Tal geradeaus thront das Shringi Himal (7187m), rechts über dem Budhi Gandaki Tal die Namenlosen des Lumbo Himal (4835m).
400m den Berg hinab nach Nyak (2340m), einer malerischen tibetischen Siedlung aus holzschindelgedeckten Häusern, wo unser Lunch auf einer sonnigen Aussichts-terrasse zubereitet wird. Hier vergessen wir schnell die letzten verregneten Erinnerungen und können uns nicht satt sehen an der wunderbaren, glasklaren Bergsicht. Hinunter geht´s auf steilem Bergpfad bis an den Hauptweg am Budhi Gandaki Fluß zu einer kleinen Hütte mit Zeltwiese namens Pewa (1730m). Von hier leicht bergan auf breitem Fußweg, der jetzt auch öfter von Einheimischen und Touristen begangen wird nach Deng oder Dyang (1860m), einem tibetischen Ort mit 6 Häusern und einem schönen Zeltplatz im Gelände einer Lodge mit Blick auf die herrlichen Berge. Das Wetter ist bis abends wolkenlos und die Stimmung bestens. Wir erfahren, daß der Larkya La Paß zur Zeit zugeschneit und deshalb unpassierbar ist, daß drei Touristengruppen im Vorcamp festsitzen. Wir aber spielen erstmal Karten und lassen uns den berühmten Apple Brandy schmecken.
+ 565 / - 1435m in 8,5h
14.10. – Früh ein kurzer leichter Regen, wie zum Abgewöhnen. Vom Camp des Buddha Himal Hotel los auf der linken Seite des reißenden Flusses, dann auf die rechte Seite entlang klammartiger Schluchten über Rana und Phedi Bihi (Phedi = Unter-...) bis nach Ghap. Über das Blaue Wunder gehen wir auf die linke Flußseite vorbei am ersten Nobelplatz mit Lodge auf den kleineren Zeltplatz in Ghap /Nambachhe (2160m) mit tibetischen Gastgebern, hier wohnt ein Lama mit seiner Frau und einem eineinhalbjährigen Baby, samt einem Hundebaby. Er liest ununterbrochen laut aus seinen heiligen tibetischen Schriften. In der Wohnküche bekommen wir frisch bereiteten Buttertee, ein lang entbehrtes edles Getränk, unsere Porter trinken lieber Rakshi, gleich aus Wassergläsern. Der Buttertee kostet 10 Rupies pro Kanne, bzw. sollte sich in diesem Limit bewegen. Peter schenkt dem Kind der Familie ein Schreibheft und zwei I Ging-Metallkugeln, die beim Bewegen leise Klänge von sich geben, sie sind begeistert. Abends sehen wir bei der Rakshi-Bereitung zu: auf das Herdfeuer am Boden der Hütte kommt ein faßartiger Destillationsballon bestehend aus mehreren ineinander steckenden Töpfen, obenauf ein Kühlbehälter, in dem öfter das Wasser gewechselt wird, unten befindet sich der vergorene Getreidesaft und nach geduldigem Warten und Brennholz nachlegen kann man ca. 20-prozentigen heißen Rakshi abfüllen. Wir dürfen natürlich sofort verkosten und bekommen auch noch eine Flasche voll mit ins Zelt, der Abend ist gesichert. Nachts kurzer starker Regen.
+ 825 / - 500m in 6,5h
- – Früh werden wir vom Geschrei von Affen geweckt, die auf den Feldern nach
Eßbarem suchen, von den einheimischen Bauern nicht geliebt. Es sind metergroße graue Lemuren mit schwarzem Gesicht, die auf den Bäumen herumspringen.
Unserem Weiterweg folgend gleichmäßig im feuchten Flußtal hoch, zweimal den Fluß querend, erreichen wir Namrung (2550m). Kurz danach Lunch auf einer Sonnenwiese nahe Sho mit Blick zurück auf den Rani Peak (6693m) und aufwärts zum Kutang Himal mit dem Khayang (6186m). Viele Tibeter lagern in der Nähe und neugierig beäugen wir uns gegenseitig. Weiter geht es stets aufwärts über Lihi, wir erreichen ein großes Tal mit einer Holzbrücke und den Ort Sho (2880m), wo wir die Gompa besuchen wollen, diese ist aber abgeschlossen.
Kurz vor Sonnenuntergang sind wir in Lho (3170m), von unseren Zelten aus der überwältigende Blick auf den gewaltigen spitzen Doppelkegel des Manaslu (8163m), rechts davon das Larkya Himal oder Manaslu North (7154m). Er wird meist Manasolu ausgesprochen, ist der achthöchste Berg der Erde und wird auch noch Pung Gyen oder Kutang genannt. Der Tag ist warm und sonnig, abends wolkenlos und nach Sonnenuntergang saukalt, sofort unter null Grad. Peter läuft die letzen Tage immer mit Dorje, unserem Koch und Kundschafter weit vornweg, heute abend erwischt es ihn kalt, kurz vor Lho verlassen ihn die Kräfte, er schafft es kaum noch ins Zelt und ihm ist hundeelend und speiübel. Am nächsten Morgen gelingt ihm trotzdem der Weitermarsch, wie sagt unser erfahrener Guide Non Sherpa: Gehn mer langsam...
Ein wohlgemeinter und erfahrener Rat.
Vom 15. bis 21.10. findet in Nepal das Dhasain-Fest statt, ein großer Feiertag für alle Hinduisten und Buddhisten. Auch sind jetzt längere Zeit Schulferien. Und wir bekommen abends wieder mal eine leckere Torte. Unser Koch kauft von Tibetern eine Ziege, alle besehen sie sich, wir eher bedauernd und die Träger eher hungrig, auch wird sie schon mal von manchem angehoben und gewogen. Morgen wird sie uns bis zum nächsten Camp begleiten, wo sie dann das Zeitliche in Topf und Pfanne segnen wird.
+ 1345 / - 275m in 8,5h
16.10. – Der frühe Tag beginnt wolkenlos, die Sicht auf Unseren Berg, der zum Greifen nahe vor uns liegt, ist atemraubend. Der Weg führt erstmal 100m nach unten und in einem Waldtal wieder aufwärts, links spitzt der Peak 29 oder Ngadi Chuli (7871m) durch die Bäume. Diwi, unser Speedy Gonzales kämpft mit der störrischen Ziege, die immer woanders hinwill, nach einer Stunde läßt er sich allerdings von ihr ziehen, sie hat sich in ihr Schicksal ergeben. Wir durchqueren Shyala (3330m), ich kaufe von einer Einheimischen eine Kette mit blauem Stein und roten Korallen für ein Zehntel des Preises, den ein Geschäftsmann in Namrung verlangte. Hier beginnt eine warme Hochebene übersät mit Hunderten grasenden Tieren, Pferden, Dzopkyos (Kreuzung zwischen Yak und Rind) und Yaks.
Der Anblick erinnert mich sofort an Tibet. Am Ende des Tales liegt Samagaon oder Rö (3470m), wo wir 12:30 nach einer vierstündigen gemütlichen Wanderung unser Lager im Hof einer Lodge aufschlagen, natürlich mit Blick auf die herrlichen Berge der Manaslu-Region. In der Lodge haben ebenfalls zwei österreichische Bergprofis ihr Zwischenlager aufgeschlagen, sie werden versuchen, in dieser Saison den Manaslu solo ohne Träger und Sauerstoff zu bezwingen, wir wünschen ihnen vollen Erfolg.
Besitzer der Mount Manaslu Hotel & Lodge ist ein tibetischer Lehrer namens Phurgu Tsewang, der auch Geografie studierte, die Einreise nach Tibet ist ihm leider nicht möglich. Er vertreibt ein Büchlein vom Nubri Tal mit vielen interessanten Informationen über die Bewohner und Lebensgewohnheiten in Samagaon oder Rö.
Im Ort befindet sich ein Kloster (Gompa) mit vielen Mani-Steinen.
Das Mittagessen dauert heute besonders lange und so überlasse ich mein Dessert den anderen und laufe hoch zur weitläufigen Gompa auf dem Hügel, wo mich ein einsamer alter tibetischer Mönch in gelber Kleidung willkommen heißt. Er zeigt mir alle Gebetskammern seiner Residenz, barfuß lasse ich mich vom Anblick vieler Buddhafiguren und Altarreliquien, von Bildern des Dalai Lama und anderer hoher tibetischer Geistlicher, von Tankas und Mandalas, sowie jeder Menge Butterlampen aller Größen beeindrucken, während er mir pausenlos auf die Schulter haut und laut und herzerfrischend lacht. Leider versteht er fast nur tibetisch, wir unterhalten uns trotzdem prima. Lange werde ich noch an diese Begegnung denken.
Meine Schritte führen mich durch die Klosteranlage hindurch auf schmalem Pfad hinauf zum Birendra Kund (3570m), einem See, der aus dem Manaslu-Gletscher entspringt, auf seiner grünen Wasserfläche schwimmen kleine Eisberge. Umgeben ist er von einer Mauer aus sehr hellen Steinen, sein Abfluß geht in den Budhi Gandaki. Vom See ist der Gipfel des Manaslu gegen die Sonne auszumachen. Beeindruckend, die Entfernung von hier zum Gipfel beträgt ca. 8 (acht) km.
Zur Dinnerkrönung gibt es heute braune, süße Torte mit weißem Butterbelag und roter Marmeladenaufschrift: Happy New Year – Bijaya Dhasain – 2061 / 7 / 30, in Nepal schreibt man den 30.Juli des Jahres 2061.
+ 550 / - 235m in 4h
+ / - 120m in 3h (Ausflug zum See)
17.10. – Im breiten Tal weiter allmählich aufwärts, gemütlich vorbei an Steinhütten und einer langen Mani-Mauer, genannt Kermo Kharka nach Samdo (3780m). Einige Yak- und Pferdekarawanen aus Tibet kreuzen unseren Weg. Samdo besteht aus vielen großen Steinhäusern, ineinander verschachtelt und sich gegenseitig stützend und beschützend. Überall wird das geerntete reife gelbe Getreide bearbeitet, die Körner werden ausgekämmt, es wird ausgebreitet auf Dächern und allen freien Flächen zum Trocknen.
Unsere Zelte werden im Gelände einer Lodge aufgebaut, es ist herrlicher Sonnenschein, alle sind happy, Peter ist wieder voll ok., ein schöner Tag mit gutem Bergrundblick. Vor dem Lunch sortieren und beschriften wir noch die Medizin aus Phadindras Umhängetasche. Mit Zeichensprache werden dabei zur Freude Aller die möglichen Beschwerden dargestellt. Danach werden die vereiterten Litschi-Bisse an Pasang´s Füßen verbunden. Es folgt ein Rundgang durch den Ort, Holger bringt einer armen Familie Geld und Grüße von Julia und Ingmar, diese waren vor einem halben Jahr hier, als das zu früh Geborene der Frau ein Monat alt und sehr schwach war, sie halfen ihr mit Medizin und Geld, sodaß sie vier Monate nach Tibet in ein Krankenhaus gehen konnte. Das Baby und seine Mutter sind jetzt wohlgenährt und gesund. Der Vater überreicht uns Schals, bringt uns am Abschiedsmorgen eine Kanne Buttertee zum Frühstück.
15:30 geht für uns die Sonne unter und sofort wird es extrem kalt. Bei den Nachbarn bekommen wir ein warmes Plätzchen am Herd und eine Kanne Buttertee, 50 Rupies zeugen vom Geschäftssinn der Frau. Nachts lesen wir minus 12°C an unserer Uhr ab.
Der morgige Tag ist ein Akklimatisationstag.
+ 370 / - 45m in 3h (Die kurzen Etappen sind wegen der Höhenanpassung ideal)
18.10. - 3:30 ist Wecken für Holger und mich, wir nehmen in der Küche ein kleines Frühstück zu uns, stecken unser Luchpaket ein und 4:15 starten wir mit unseren Stirnlampen zur Besteigung des Hausberges Samdo Peak, von Einheimischen Pallo Peak genannt, nicht zu verwechseln mit dem echten Samdo (6335m). Phadindra wird uns den richtigen Weg hoch führen, sagt er, was sich gleich als kräftezehrender Irrtum herausstellt. Vor einer Stunde starteten Peter und Roland mit Pasang und Diwi, sie gehen den richtigen Weg. Wir sehen weit oben ihre Lampen leuchten, Peter gibt Blinkzeichen, ich blinke zurück. Wir werden sie erst kurz nach ihrem Gipfelsieg errei- chen. Gleich am Anfang verfehlen wir im Dunkeln den richtigen Weg, sind gezwungen über mehrere hundert Höhenmeter über brusthohes Wacholdergesträuch zu klettern, in dieser Höhe eine kräfteraubende Quälerei. Phadindra ist außer sich und entschuldigt sich mehrmals. Endlich erreichen wir den richtigen Weg. Es geht über Geröll und später im knietiefen Schnee bergauf, weiter oben sehr steil und weglos. 9:00 erreichen wir den Gipfel des Samdo Peak (5010m), die letzen 150 Höhenmeter werden für mich die anstrengendsten Meter meiner „Berglaufbahn“. Alle Schwierigkeiten sind vergessen beim Rundblick vom Gipfelgrat, 1,5h werde ich hier bei strahlendblauer vollkommen wolkenloser Sicht die Aussicht auf Manaslu und Co genießen, ehe mich die Kälte zum Abstieg zwingt. Inzwischen ist die Gipfelfeier in vollem Gange, auch die Fotoindustrie kann frohlocken, gründlich werden alle Bergriesen der Reihe nach mit Weitwinkel und Tele abgelichtet, auch der Eispickel findet Verwendung, wenn auch nur auf den Fotos. Der Blick schweift auch nach Tibet, dessen Grenze nur drei km entfernt ist, unweit führt ein Paßweg rüber. Abstieg bei tauendem tiefen Schnee, im April diesen Jahres lag hier kein Körnchen Schnee. An einigen Passagen ist eine Abfahrt auf den Schuhen möglich, immer wieder legen wir längere Pausen ein, um die Landschaft der Berge auf uns wirken zu lassen. Weiter unten queren wir einige Schluchten und Bachläufe, eine große Yakalm. 13:00h, bei strahlendem Sonnenschein begrüßen uns unsere Frauen im Camp. Holger und ich duschen hinterm Eßzelt in der warmen Sonne, nur der Wind ist eisig. Gerald geht im Alleingang hinauf im steilen Gelände, gerät in ein Nebental und steigt dieses hoch, es wird immer steiler und ein Zurückklettern unmöglich, weiter oben findet er unsere Spuren und geht an diesen bergab. Wie er selbst zugibt, sehr leichtsinnig und als erfahrener Bergtourengeher nicht zu akzeptieren, zudem in Nepal und ohne jemand Bescheid zu sagen....
Zum Abendessen gibt´s Yakgulasch und eine weitere Torte.
+ / - 1290m in 9h
19.10. – Von Samdo führt uns der Weg hoch bis zum letzten Camp vor dem Paß auf 4340m nach Larkya Phedi, auch Dharamsala (Flüchtlingslager oder Asyl) genannt. Der Weg geht vorbei an Larkya Bazar, Sonnabends findet hier ein Markt statt. Eine große Steinhütte für die Küche und als Unterkunft für die Porter steht auf der großen, oft genutzten Zeltwiese. Da wir nur 3 Stunden bis hierher brauchen, sonnen wir uns und lassen uns breit laufen, es wird uns heißer Zitronensaft serviert, in der Küche das Lunch bereitet, die Zelte errichtet und die Träger trudeln langsam ein, auch sie haben heute Zeit, die sie sich mit diversen Spielen mit Karten oder Geldstücke werfen vertreiben. Dorje und Phadindra zählen das Geld der Expeditionskasse nach. Ein wunderbarer Sonnentag. Alle sind frei von Kopfschmerzen, Phadindra erzählt uns, vor 5 Jahren starben hier 5 Porter nachts an Höhenkrankheit, sie lagen früh tot in ihrem Zelt.
Nach einem Freilunch beschließen Peter, Holger und ich, noch die umliegenden Höhen zu erklimmen. Holger nimmt den linken Grat, wir gehen rechts hinauf ins weglose Gelände, bis auf 4600m zu einem großen Stein, hier genießen wir noch lange die Aussicht, wir sehen den von uns bestiegenen Samdo Peak, auch ist der Manaslu von hier zu sehen, beim Camp unten ist er verdeckt. Wir sehen den morgigen Wegverlauf zum Paß, Holger ist winzig klein gegenüber zu sehen, wie er stetig den Schneegrat empor steigt bis weit über uns hinauf, er kehrt erst spät nach Sonnenuntergang, der hier 45 min später als in Samdo beginnt, ins Lager zurück. Ich sitze draußen im Schlafsack als Raupe und genieße das Wechselspiel des Lichtes auf den Bergen, das Rauschen des Gletscherbaches und den Sonnenuntergang. In der Dämmerung ziehen drei Reiter grüßend an mir vorbei, der erste sehr elegant gekleidet.
Es wird heute eine kurze Nacht.
+ 625 / - 45m in 3h
+ / - 260m in 2h (Ausflug auf den rechten Bergrücken)
20.10. – Frühzeitiges Wecken um 3:30, 5:00 marschieren wir in der Kälte los mit unseren Stirnlampen als Wegweiser. Der Aufstieg ist sanft im Schnee am Bachtal entlang der Gletschermoräne. Man meint beim Höherkommen immer, den Paß zu sehen, aber oben sieht man, daß dahinter noch etwas Höheres kommt, das geht uns mehrmals so. Die Schneedecke ist auf dem Plateau sehr tief, den Weg zu verlassen, mit tiefem Einsinken verbunden. Wir erreichen endlich nach vier Stunden den unteren ersten Paß, geschmückt mit bunten Gebetsfahnen. Von hier noch 500m zum zweiten Paß, dem Larkya Bhanjyang (4990m), wo wir eine kleine Eßpause einlegen, da es sehr kalt ist, werden wir uns nicht lange aufhalten. Von hier endlich der Blick ins neue Tal, ins Dudh Khola mit dem Gebirgszug des Himlung (7126m), rechts der Cheo Himal (6812m), der Gipfel der Annapurna (ein Achttausender) ist als winzige Spitze ganz links auszumachen. Die Sicht ist wunderbar, es sind keine Wolken am Himmel.
Vor uns liegt ein vereister, abschüssiger, steiler Abstieg auf einem alten Gletscher hinunter zu drei Gletschern, die sich später zu einem vereinen. An diesem links abwärts auf langem Weg erreichen wir endlich die Hochebene von Bimtang (3610m), ein wunderhübsches Tal öffnet sich vor uns, umstanden von vielen Bergen erinnert es ein bischen an eine Alm in den Dolomiten. Es gibt drei Lodges, die sich Hotel nennen, man hat uns jeweils einen Eimer mit Blumen und Begrüßungsgetränken bereitgestellt, wir entscheiden uns für das letzte und setzen uns erst mal zu einem Bierchen zusammen. Als ich meine Tevas außen vom Rucksack nehmen will, sind diese nicht mehr dran, ich hoffe, ein Träger findet sie und sie passen ihm. Wir bestaunen abwärts den Manaslu (8163m), das Kampung Himal mit dem Phungi (6538m), aufwärts das Himlung Himal (7126m).
Wir einigen uns schweren Herzens, den geplanten Lamjung-Trek mit mehreren Paßüberquerungen bis 5500m ausfallen zu lassen, wegen zu hohen Schnees, zu anstrengenden Aufstiegen (1800m und 1500m bis auf 5000m Höhe in zwei Tagen), sowie in Anbetracht, daß der Paß nur von uns begangen und somit noch zu spuren wäre. Dann eben das nächste Mal in Nepal, es gibt noch genug, was wir nicht sehen konnten... Nun also den Anfang der Annapurnarunde in entgegengesetzter Richtung gemütlich bis Besisahar. Abends gibt es wieder mal feinsten Yakgulasch, Reis, Linsensuppe und Rakshi zum Nachspülen, die Porter feiern bis tief in die Nacht mit den Schönen des Ortes, ihr Lachen ist noch lange nach der Nachtruhe zu hören.
Die Nacht beschert uns sternenklaren Himmel, bis auf Hundegebell und das Kichern der Mädchen eine ruhige.
+ 700 / - 1450m in 9h
21.10. - Bei wolkenlosem Himmel wandern wir früh los mit Blick auf Manaslu, Manaslu North und Kampung über flache Wiesen zu einem kleinen Gletscher, diesen querend, gelangen wir in das Dudh Khola Tal (Milchfluß, wegen dem weißen Aussehen des Gletscherwassers). Es folgt ein Panoramaweg ohnegleichen, man kann den Blick nicht von den hohen Bergen wenden, die wir bald verlassen müssen. Auf Puktu Kharka (2960m), einer von einer Frau mit mehreren Töchtern bewirtschaften Wiese mit Hütte nehmen wir unser Mittag ein, Yak-Karawanen ziehen an uns vorbei, die Yaks und die Reitpferde der Hirten bunt geschmückt. Der Manaslu ist nach sieben Tagen, die er uns begleitet hat, von uns gegangen und hat sich hinter den hohen Hügeln der Umgebung versteckt, zum Trost winkt uns noch die Rückseite des Larkya Peak (6249m) zu. Weiter bergabwärts rechts des Milchfluß führt uns der schmale, kaum von Touristen begangene Weg über die Brücke des Surki Khola vorbei an den Sommeralmen Surki, Karche und Goa, teilweise direkt am Fluß an mehreren frischen Bergrutschen vorbei bis in die große Gurung-Siedlung Tilije auf 2200m. Gedanken darf man sich an so einem Landslice genannten Abrutsch keine machen, sonst kann man gleich umkehren, was aber schlecht möglich ist. Wir campen auf dem engen Grundstück einer Lodge inmitten vieler Blumen. Abendessen im Freien an einem quadratischen Holztisch, es ist wieder warm geworden nach den langen kalten Dinners oben in den Bergen. Endlich kein Frost mehr, dafür beglücken uns vereinzelt Wolken, Halbmond. Es gibt guten Rakshi mit Apfelkuchen, der Milchfluß rauscht und Yakglocken bimmeln, der Abend ist schön. Die höheren Nachttemperaturen wiegen uns in einen entspannten Schlaf.
+ 320 /- 1720m in 9h
22.10. – Vor dem Frühstück mache ich mit Holger einen Rundgang durch Tilije, der Ort besteht aus Gurung-Häusern, die schrägen Dachstützen schön mit Schnitzereien versehen. Wir besuchen das kleine Kloster im Ort, wo eine Frau die Reste der gestrigen Abendzeremonie aufkehrt. Gestern abend kommt eine Prozession von Männern singend, betend und musizierend vom Berg herunter und im Kloster findet die Feier zu Ehren des Dhasain-Festes ihren Ausklang bis tief in die Nacht hinein. Holger verteilt seine letzten Luftballons an neugierige Kinder. Am Ortsausgang über eine Hängebrücke am linken Ufer weiterwandernd, erreichen wir Dharapani (1860m). Von rechts kommt der Marsyangdi Fluß aus der Manang-Region herunter. Wir gehen über eine Brücke und schon sind wir unter vielen, meist französischen Touristen, die den Annapurna-Highway laufen wollen. Für uns gewöhnungsbedürftig, da wir am Manaslu nur drei Italiener und einige unsympathische Südkoreaner zu Gesicht kriegen. Es kommen uns pausenlos Trekker-Frischlinge aller Coleur und Altersgruppen, meist im Rentenalter, alle noch etwas bläßlich und unbeholfen im Schritt, entgegen, begleitet von gut aussehenden Guides und schwer bepackten Trägern.
Lunchpause von drei Stunden im Garten einer Lodge bereits ab 10:00. Es ist zuviel des Guten, die nächsten Tage werden wir etwas straffen.
Endstation heute ist Tal (1700m), was soviel wie See bedeutet, da früher hier mal einer war, heute noch als breite Flußschleife zu bewundern. Im Ort viele Lodges und Hotels, wir zelten im grünen Garten des Dragon Hotel, wir werden wieder verwöhnt mit der Benutzung unseres Duschzeltes, eine Wohltat. Das Eßzelt bleibt in der Verpackung, wir sitzen im Freien. Abends Wolken, nachts sind wieder die Sterne zu bewundern.
+ 190 / - 725m in 7h
23.10. - Der neue Tag beginnt mit Sonne und leichten Wolken, es ist warm. Auf breitem, guten Weg leicht bergauf, bergab gelangen wir über riesige lange Hängebrücken über den gewaltigen Marsyangdi River. Wir verlassen die Manang-Region, der Fluß fließt lange Strecken unterirdisch weiter. Nach drei Stunden erreichen wir Jagat (1320m), um in einer Lodge auf einem Balkon sitzend unseren Lunch einzunehmen. Ein älterer Nepalese betet in der Hütte für seine jüngeren Verwandten und bringt ihnen Reisopfer, die er auf ihre Stirnen klebt. Es ist schön warm draußen und ich vermisse meine verlorenen Tevas, habe für 100 Rupies ein paar nepalesische rutschfeste Schlappen gekauft und bin einen Tag damit gelaufen, es geht, muß mich aber zu sehr auf den Boden und die Steine konzentrieren. Nach weiteren straffen 3h durch mehrere Dörfer wird die Landschaft merklich flacher. Die Berge werden zu kleinen Hügeln. Es gibt viele Reis- und Hirsefelder, Bananen- und Apfelsinenbäume. Zuletzt nochmal steil 150 m hoch nach Bahundanda (1310m), einem Dorf auf einem Bergrücken. Heute ist der Hauptfeiertag des Dhasain-Festes, alle Leute laufen im Sonntagsstaat herum und haben auf der Stirn rote (Buddhisten) oder weiße Reiskörner (Hindus) kleben. Wir sitzen auf einer Terrasse und beobachten wie ein weißes Huhn vom Hahn verfolgt wird. Es flüchtet sich in meine Obhut und wird von mir gestreichelt. Unsere Zelte werden im Hof der Schule aufgeschlagen, da gerade Ferien sind. Der Lehrer des Ortes bringt uns ein Buch mit vielen Touristensprüchen, und wir tragen uns ein mit einer Spende von 1.500 Rupies für einen Schulneubau.
+ 705 / - 1065m in 8h
24.10. – Abwärts auf breitem Weg durch einige Dörfer am wasserreichen Fluß kommen uns viele Franzosen entgegen, wir laufen bis Bhulbhule, lunchen hier unter einer Hängebrücke und gehen über diese bis auf eine breite Straße nach Sera (870m).
Hier endet unser Trek.
+ 185 / - 620m in 6,5h
Ab Sera beginnt eine 45-minütige Busfahrt, die mir noch lange in Erinnerung bleiben wird: Peter, Mietzi und ich beschliessen, auf dem Dach mitzufahren, es befinden sich 25 Personen und das gesamte Gepäck unserer Tour auf dem Dach des Busses. Da die Straße nur ein holpriger Weg ist, denken wir jeden Moment, der Bus kippt um, so sehr schaukelt er hin und her. Eigentlich ist die Strecke nur für Jeeps geeignet, sie führt durch Flüsse, über große Steinbrocken und durch tiefe schlammige Fahrrinnen, wir befinden uns aber auf einem vollbeladenen indischen Tata-Bus. Später sehen wir einige abgestürzte und umgekippte Busse. Laufend müssen wir in Deckung gehen, weil tiefhängende Stromleitungen die Straße kreuzen. Ein Abenteuer für sich, daß ich nicht wiederholen werde. Kreidebleich erreichen wir Besisahar (760m), ein schönes Städtchen mit ca. 25.000 Einwohnern, welches zur Zeit wieder in Königshand ist, in jüngster Vergangenheit aber Schauplatz unrühmlicher Maoistenkämfe war. Im Hof des Hotels errichten die Guides unsere Zelte. Abends nehmen wir schweigend Abschied von unseren letzten 13 Trägern, Singen ist verboten, draußen pocht die Armee ans Tor, weil hier der Ausnahmezustand herrscht und die Soldaten panische Angst vor Anschlägen der Maoisten haben. Wir bedanken uns herzlich bei den Trägern, Holger hält eine kleine Ansprache und wir übergeben allen ihre wohlverdienten Trinkgelder.
Sie bedanken sich und nehmen ihrerseits Abschied von uns, in der Küche gibt es noch ein großes Eßgelage für sie. Am nächsten Tag werden sie in ihre Heimat zurückkehren, einige sicher einen neuen Job als Träger finden...
25.10. - Fahrt im Bus 45 km von Besisahar über Dumre zum Begnas-Tal , einem großem See mit Staumauer. Schwimmen bei 25°C Wassertemperatur ist angesagt, staunend sehen unsere nepalesischen Freunde zu, kaum einer von ihnen kann schwimmen. Zum Mittag gibt es einheimischen nepalesischen Dhal Bhat, sehr scharf gewürzt, unser Trek-Essen ist mehr auf europäische Eßgewohnheiten abgestimmt. Weiterfahrt 65 km nach Pokhara (820m) an den Phewa-See auf den Campingplatz. Unser Mercedes-Kleinbus erreicht eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 22 km/h, teilweise verursacht durch die schlechten Straßen, zum Teil seinem Alter schuldend.
Schon weit vor Pokhara sehen wir längs der Piste schöne Grundstücke mit teilweise neuen Häusern. Die zweitgrößte Stadt Nepals, auch Gartenstadt genannt, liegt male- risch am Seeufer. Breite, saubere Straßen, viele schöne Geschäfte, Hotels und Restaurants, sowie einige German Bakeries (Pumpernickel Bakery) laden uns zum bummeln und dinnieren ein, sehr viel besser als in Kathmandu, es macht Spaß, hier zu schlendern und zu feilschen.
(110 km Busfahrt in 6h)
26.10. – Ein Tag Aufenthalt in Pokhara:
Wir machen einen Bootsausflug, mit Pasang, Phadindra, Diwi und unserer Küchenmannschaft rudern wir über den Phewa-See bis zum Aufstieg zur World Peace Monastry (1135 m), einer 4 Jahre alten Stupa. Von hier schöne Aussicht, leider sind die großen Berge der Annapurna-Region alle in Wolken. Nachmittags Einkaufsbummel und abends das Abschiedsessen mit Torte, die letztmalig von unserer Küche gebacken wurde. Bis tief hinein in die Nacht saß ich noch mit Peter im Eßzelt zusammen, den schönen Abend genießend. Unsere beiden Wachtposten Diwi und Non fanden wir beide friedlich schnarchend , alle viere von sich gestreckt auf einer Plane liegend.
+ / - 315 m in 3h
27.10. - 7:00 Abfahrt von Pokhara. Auf breiter, meist zweispuriger guter Sraße in 7h die 200 km bis nach Kathmandu (1300 m), eine kleine Ewigkeit.
Dazwischen 45 min Eßpause. Ca. 30 km/h Fahrgeschwindigkeit, überholt wird bei allen Gelegenheiten und vor allem in unübersichtlichen Kurven, der Gebrauch der Hupe ist unerläßlich. In Kathmandu wird unsere Ausrüstung bei Niru abgeladen, dann fahren wir ins Harati-Hotel, abends gemeinsames Essen, wir verabschieden uns von Roland und Gerald, die uns vorzeitig verlassen.
(200 km Busfahrt in 7h)
28.10. - Kathmandu (1300 m): Ausschlafen. Mittags mit Peter und Mietzi im Taxi zu Pasang´s Restaurant, das gleichzeitig seine Küche ist. Hier lernen wir seine Frau und Verwandte von ihm kennen. Später gehen wir in seine wenige Minuten entfernte Wohnung. Er bewohnt mit seiner schwangeren Frau und Diwi ein Zimmer im Nordosten der Stadt, klein aber fein. Wir werden mit gutem Essen verwöhnt und probieren Dongba, gegorene, gekochte Hirse, mit kochendem Wasser bis 5mal übergossen und mit Aluhalm getrunken ohne umzurühren. Das Getränk besitzt einen guten Geschmack und wenig Alkohol. Später sitzen wir noch mit Dorje und seiner Frau und unserer Küchencrew zusammen, verabschieden uns dann herzlich voneinander.
20 Uhr Abendessen im Northfield Cafe in Thamel: der Besitzer ist happy und lädt uns zu einigen Margaritas ein, das ist Tequila mit Lemon und Salzrand. Im Speisegarten brennen kleine Lagerfeuer, der Abend in der City ist schon recht kühl.
29.10. - Kathmandu: Ausfahrt mit Niru zum Affentempel Swayambhunath, wo sich tausende Nepalis tummeln. Weiter zum Budhanilkantha, einem Hindu-Tempel mit der berühmten liegenden Vishnu-Statue. Danach fahren wir zu Niru nach Hause Mittag- essen. Zuletzt sehen wir uns Patan zum wiederholten Male an. Der Nachmittag vergeht mit CD´s und DVD´s kaufen. Abendessen indisch im Hotel.
30.10. - Kathmandu: 8:00 Start zur Wanderung zum Nagarjun-Forest, begleitet werden wir von Phadindra. Im Taxi fahren wir zum Eingang, Eintritt kostet 10 Rupies. Sofort sind wir in einem dichten grünen Wald, allein und weit weg vom Lärm und den vielen Menschen Kathmandus. Wir gehen den kürzeren steilen Weg hoch zur Nagarjun Stupa (Jamacho) (2096m), in 90 min. In der hinduistischen Stupa befindet sich eine schwarze Statue des Padmasambhawa. Auf dem Aussichtsturm genießen wir den Blick über die Stadt, die Aussicht auf Ganesh und Langtang ist leider mit Wolken fast verdeckt.
Zum Abstieg gehen wir direkt den Bergrücken Richtung Affentempel hinab, am Anfang steil, über die Fahrstraße hinweg, runter zwischen bewohntes Gebiet. Es war keine Absperrmauer zu sehen. Phadindra erklärt, daß in diesem königlichen Jagdrevier außer Kleinwild, Affen, Hirschen, Rehen und wilden Schweinen auch eine große und eine kleine Tigerart lebt, zeigt uns zwei Tigerspuren. Gefährlicher als diese wären die Bären, die man leichter überraschen könne, da sie nicht so gut hören wie Tiger, diese flüchten bei der kleinsten Störung ins Innere des dichten dunklen Waldes.
Da wir noch Zeit und Kraft haben, beschließen wir, gegenüber über diverse Reisfelder hoch zur großen neuerbauten, noch nicht fertigen buddhistischen Monastry Amitwahaa (1610 m) zu klettern. Diese ist leider geschlossen, nur früh und abends geöffnet. Der große, marmorgeflieste, bunt bemalte, in weiß mit braun gehaltene Komplex erinnert uns an den Potala Palast in Lhasa.
(+ / - 710 m in 5h) (Nagarjun Stupa)
Gesamt + 965 / - 985 m in 8h
Nachmittags packen wir unsere Rucksäckefür die Heimreise.
18:00 beginnt das große Abschiedsessen bei Niru. Hier treffen wir seine Familie, sowie Phadindra und Kamar, unseren Koch vom Kangchendzönga. Wir verabschieden uns herzlich voneinander, versprechen uns bald wiederzusehn. Peter und ich werden im nächsten Jahr Pasang und Phadindra einladen, zu uns nach Deutschland zu kommen.
31.10. – 8 Uhr Fahrt zum Airport. Wir verabschieden uns von Niru und es beginnt die 36stündige Odyssee zurück in unsere Heimat.
11;15 Flug Kathmandu nach Abu Dhabi (4:30h). Dort beziehen wir ein Tageshotel in der City, das Abendessen wird zu einem kulinarischen Höhepunkt.
Der Flug Abu Dhabi nach Bahrain (1:30h) startet um 23.45 Uhr,
der Flug Bahrain nach Frankfurt (5:30h) 01:20.
1.11. - Ankunft Frankfurt 7:00, wir nehmen Abschied von Holger und Eli, Peter, Peter II. 08.00 fahren wir mit der Deutschen Bahn von Frankfurt über Nürnberg nach Chemnitz.
Ankunft in Chemnitz-Schönau 15:30.
(Klaus Teuchert)
Nepal & Tibet - Juni 2006 Reisebericht
Anreise
Mai-24 // Tag vorher: Mietzi, Andre Carlowitz (Witz) und ich werden von unserer Tochter Marie zum Bahnhof Chemnitz gebracht , wir nehmen 20 Uhr den Nachtzug über Riesa im Liegewagen des City-Nightline-Zuges nach Frankfurt zum Flughafen, nach 7 Stunden Schlaf weckt uns die freundliche Schaffnerin, Ankunft früh 7 Uhr. 9 Uhr treffen wir uns mit Iris Dreier aus Stuttgart, sie wird unsere Begleiterin auf der Reise sein. Am Fernbahnhof-Check-In-Schalter geben wir unsere Rucksäcke auf.
Mai-25 // Himmelfahrt: 12 Uhr Flug mit Gulf Air im Airbus A 340. Als Einstimmung gibt es Carlsberg oder Tuborg Bier, dazu leckeres arabisch gewürztes Lammcurry mit Reis und Makkaroni, frische Brötchen und Kuchen. Flughöhe ist 10.000 m in herrlichem Sonnenschein, währenddessen es in Frankfurt in Strömen gießt. Im Fernsehen läuft The Last Holiday über eine Schwarze im Karlsbader Grandhotel Pupp. Zwischenlandung und kurzer Aufenthalt in Bahrain, wir können gleich im Flieger sitzen bleiben, draußen sind 32 °C. 22 Uhr Landung in Seeb in Muscat, der Hauptstadt von Oman, wir haben drei Stunden Aufenthalt.
Kathmandu
Mai-26 // Tag 01: 1 Uhr fliegen wir weiter, schlafen bis halb sieben, die Plätze sind nur ein Viertel belegt, wir machen es uns bequem. Nach sicherer Landung 6 Uhr 45 am internationalem Flughafen Kathmandu füllen wir die obligatorischen Zählkarten aus, geben das Visum mit Passbild ab und für 30 Dollar dürfen wir nach Nepal einreisen. Wir holen unsere Rucksäcke ab, huckeln sie auf und von weitem strahlt uns schon unser nepalesischer Freund und Reiseveranstalter Niru entgegen. Ich stelle ihm Witz und Iris vor, dann fahren wir im Kleinbus durchs überfüllte, lärmende, schmutzige, aber immer wieder sympathische Kathmandu nach Chetrapathi ins Hotel Harati, werden vom bekannten Hotelpersonal herzlich begrüßt. Nach dem Ausfüllen der Personalien, der Besprechung der weiteren Reisedaten mit Niru und einem Begrüßungstee bekommen wir drei Zimmer auf der Gartenseite im 2. Stock, wir Zimmer 211. Abends lädt uns Niru ein zu sich nach Hause zum Begrüßungsdinner. Wir bezahlen unseren Reisepreis von 2835 Euro an Niru, übergeben ihm unsere Reisepässe zur Ausstellung des chinesischen Gruppenvisums für Tibet, dazu etliche Passbilder für die diversen Trekkingpermits, insgesamt benötigen wir 6 Stück pro Person. Von Holger Bischoff gebe ich ihm die Einladung nach Deutschland und Österreich für Juli/ August 2006, von Ines Rücknagel Fotos vom letzten Everest-Trek.
Amithawa Kloster
Nach einer längeren Ruhepause und dem Umpacken für den morgigen Trek wandern wir durch Kathmandus Westen rechts vorbei am Swayambhunath-Tempel, überqueren die Außenringstraße und gelangen in die ländliche Gegend zum Amithawa-Kloster, das sich auf einem Hügel befindet und noch im Bau ist. Während einer Regenhusche stellen wir uns unter, Iris probiert gleich ein Internet-Cafe aus. Nach Passieren einiger Kasernen und ländlicher Häuser, links an einem großen Steinbruch vorbei erreichen wir nach einem steilen Aufstieg von 350 Hm das tibetische Kloster, das sofort an die Potala erinnert. Oberhalb des Weges bemerken wir ein ebenfalls im Bau befindliches tibetisches Kloster und auf einem weiteren Hügel Richtung City steht noch eins, in dem schon fleißig die Mönche zelebrieren. Wir brauchen eine ganze Weile, um den richtigen Eingang ins obere Kloster zu finden, ein junger tibetischer Mönch aus Indien zeigt uns den Weg, die Nonnen im unteren Bereich wollen uns partout nicht reinlassen, jedenfalls die Äbtissinnen nicht... Im Haupttempel stehen neben dem großen Padmasambhava und zwei kleineren Buddhas 5000 kleine Buddhastatuen. Junge kahlköpfige Nonnen verrichten ihre Gebetsübungen, die man fast als Turnsport bezeichnen möchte, drei mal am Tag je drei Stunden, das hält fit und schlank. Der Vorplatz ist mit geschliffenem hellbraunem Marmor ausgelegt, man muss seine Schuhe davor ausziehen. Alles ist nagelneu und herrlich bunt bemalt. Auf dem Rückweg werden wir vier in Höhe der Straße an der Kaserne für 200 Rupies von einem Taxi zurück ins Hotel mitgenommen. Im herrlich ruhigen grünen Gartenrestaurant mit den Blumen, den Pampelmusen- und Litschi-Bäumen genießen wir frischen Mangosaft. Am Abend fahren wir zu Niru, 18 Uhr 30 holt uns unser langjähriger treuer nepalesischer Freund Phadindra dazu ab, es ist ein bewegendes Wiedersehen. Wir haben uns viel zu erzählen, da wir ihn letztes Jahr zu uns nach Hause in Deutschland einluden, nach langen zermürbenden Bemühungen von der Deutschen Botschaft aber sein Einreisevisum abgelehnt wurde. Er wohnt im Dorf Basa eine Stunde südlich vom Everest-Pfad entfernt. 11 Std. mit dem Bus bis Jiri, dort übernachten und weitere 5 Tage Fußmarsch sind es bis in sein Dorf. Auch ist ein Flug nach Lukla oder in die Nähe des Dorfes möglich, aber für ihn zu teuer und deshalb unakzeptabel. Es gibt in Basa weder Telefon noch Strom, 6 Std. dauert es bis zum nächsten Telefon. In den Monaten Juni bis August gibt es für Phadindra als Bauer die meiste Arbeit des Jahres zu erledigen, ich freue mich, dass er trotzdem jetzt mit uns die Reise unternimmt. In einem Taxi fahren wir durch die regenschlammigen, teilweise gesperrten schlechten Straßen auf Umwegen zu Nirus Wohnung, werden von ihm, seiner Frau, seinen beiden Söhnen, seiner Tochter und Ganesh begrüßt. Es gibt Hühnchencurry mit Pommes Frites, Reis, gebratenem Gemüse und jede Menge Tuborg-Bier als Vorspeise. Selbstgemachter gelber Chang und starker Rakshi begleiten den Hauptgang, gebratenes Rindfleisch in Sahnesauße mit Fleischpasta, Kartoffeln mit geriebenem Käse und zart gedünstem Gemüse, einfach lecker. Nach dem Dinner besprechen wir die Einzelheiten unserer Touren zum Shivapuri, durch Nepal und Tibet. Als wir nachts ins Hotel zurückkehren, sind wir satt und erschöpft, aber glücklich.
+/- 350 m in 5 Std. mit Pausen
Shivapuri-Trek
Mai-27 // Tag 02: Von 5 bis 9 Uhr Regen in Kathmandu. 8 Uhr Frühstück im Hotel Harati, danach treffen wir uns in der Lobby mit unserem Führer Udas Rai (26), dem Koch Purna und fünf Trägern. 50 Minuten fahren wir zu zwölft im Kleinbus mit dem Gepäck auf dem Dach nordöstlich nach Sundarijal bis zum Ende der fahrbaren Straße auf 1390 Hm. Das komplette Gepäck, Zelte, Zubehör, Lebensmittel und Küchen-utensilien werde